Landwirtschaft im Solarpark: Wie Photovoltaik, Biodiversität und Flächennutzung zusammenpassen können

Solarparks können mehr sein als reine Energieflächen: Durch Schafbeweidung, extensive Grünlandpflege und biodiversitätsfördernde Maßnahmen lassen sich Photovoltaik, Landwirtschaft und Naturschutz sinnvoll miteinander verbinden.

Freiflächen-Photovoltaik spielt eine zunehmend wichtige Rolle beim Ausbau erneuerbarer Energien. Gleichzeitig wächst die Diskussion darüber, wie die dafür genutzten Flächen langfristig sinnvoll, nachhaltig und gesellschaftlich akzeptiert bewirtschaftet werden können. Besonders spannend ist dabei die Frage, ob Solarparks ausschließlich der Energieerzeugung dienen – oder ob sie zusätzlich einen Beitrag zur Landwirtschaft, zur Biodiversität und zur ökologischen Aufwertung leisten können.

In der Praxis zeigt sich: Solarparks müssen nicht zwangsläufig im Widerspruch zur landwirtschaftlichen Nutzung stehen. Unter bestimmten Voraussetzungen können sie sogar als multifunktionale Flächen verstanden werden, auf denen Stromproduktion, extensive Bewirtschaftung und Naturschutz miteinander kombiniert werden.

Freiflächen-PV im Spannungsfeld der Flächennutzung

Der Ausbau von Photovoltaikanlagen auf Freiflächen ist für die Energiewende von großer Bedeutung. Gerade große Solarparks können innerhalb kurzer Zeit erhebliche Mengen erneuerbaren Strom erzeugen. Gleichzeitig stehen Flächen in Deutschland und Europa unter hohem Nutzungsdruck: Landwirtschaft, Gewerbe, Wohnbebauung, Infrastruktur, Naturschutz und Energieerzeugung konkurrieren häufig um dieselben Areale.

Deshalb wird zunehmend diskutiert, wie Freiflächen-PV möglichst flächenschonend und naturverträglich umgesetzt werden kann. Ein wichtiger Ansatz ist die Doppelnutzung: Eine Fläche wird nicht nur für die Stromerzeugung genutzt, sondern bleibt zugleich ökologisch oder landwirtschaftlich nutzbar.

Dazu gehören beispielsweise:

  • extensive Grünlandpflege zwischen und unter den Modulreihen
  • Beweidung durch Schafe oder andere geeignete Tiere
  • Anlage von Blühflächen und artenreichen Wiesen
  • Nutzung des Schnittguts
  • Förderung von Insekten, Vögeln und Kleintieren
  • Kombination mit bestimmten landwirtschaftlichen Bewirtschaftungsformen

Diese Konzepte können dazu beitragen, Solarparks stärker in die Landschaft zu integrieren und ihre Akzeptanz vor Ort zu erhöhen.

Landwirtschaftliche Nutzung im Solarpark

In vielen Solarparks entstehen zwischen den Modulreihen große Grünflächen. Diese Flächen müssen regelmäßig gepflegt werden, damit die Vegetation die Module nicht verschattet und die technische Betriebsführung nicht beeinträchtigt wird.

Eine Möglichkeit ist die maschinelle Mahd. Eine andere Möglichkeit ist die Beweidung, insbesondere durch Schafe. Schafe eignen sich für viele Solarparks, weil sie relativ niedriges Gras abweiden, sich zwischen den Modulreihen bewegen können und in der Regel keine Schäden an der technischen Anlage verursachen, sofern die Anlage entsprechend geplant und gesichert ist.

Für landwirtschaftliche Betriebe kann eine solche Nutzung interessant sein, weil zusätzliche Weideflächen entstehen. Für Betreiber von Solarparks kann die Beweidung wiederum den Pflegeaufwand reduzieren und gleichzeitig einen ökologischen Mehrwert schaffen.

Wichtig ist jedoch, dass solche Konzepte bereits in der Planung berücksichtigt werden. Dazu gehören unter anderem ausreichende Reihenabstände, sichere Kabelführung, geeignete Einzäunung, Zugangsmöglichkeiten, Wartungswege und ein abgestimmtes Pflegekonzept.

Unterschied zwischen Agri-PV und klassischem Solarpark

In der öffentlichen Diskussion werden verschiedene Begriffe häufig vermischt. Besonders wichtig ist die Unterscheidung zwischen klassischer Freiflächen-Photovoltaik und Agri-Photovoltaik.

Bei Agri-PV steht die gleichzeitige landwirtschaftliche Nutzung der Fläche im Mittelpunkt. Die Photovoltaikanlage wird so geplant, dass eine landwirtschaftliche Hauptnutzung weiterhin möglich bleibt. Das kann beispielsweise Ackerbau, Obstbau, Gemüsebau, Grünlandnutzung oder Tierhaltung sein. Die PV-Anlage wird dabei technisch an die Bewirtschaftung angepasst – etwa durch höhere Aufständerung, größere Abstände oder spezielle Modulkonzepte.

Ein klassischer Solarpark ist dagegen in erster Linie auf die Stromerzeugung ausgelegt. Trotzdem können auch klassische Solarparks ökologische und teilweise landwirtschaftliche Funktionen übernehmen. Insbesondere extensive Beweidung, naturnahe Grünlandpflege oder Biodiversitätsmaßnahmen können sinnvoll integriert werden.

Der Unterschied liegt also nicht darin, ob unter oder zwischen den Modulen überhaupt etwas wächst. Entscheidend ist vielmehr, ob die landwirtschaftliche Nutzung als wesentlicher Bestandteil des Projekts geplant und rechtlich anerkannt wird.

Rechtliche Einordnung bleibt eine Herausforderung

Die rechtliche Einordnung von Solarparkflächen ist in der Praxis oft komplex. Ein Solarpark wird baurechtlich häufig nicht als landwirtschaftliche Fläche, sondern als Sondergebiet oder gewerbliche Fläche behandelt. Dadurch kann es zu Unsicherheiten kommen, wenn auf derselben Fläche zusätzlich landwirtschaftliche Tätigkeiten stattfinden sollen.

In der Praxis stellt sich beispielsweise die Frage, ob Schafbeweidung, Mahd oder die Nutzung von Schnittgut als landwirtschaftliche Tätigkeit gelten, wenn die Fläche gleichzeitig für Photovoltaik genutzt wird. Auch Förder- und Direktzahlungsfragen können davon abhängen, wie die Fläche eingestuft wird.

Genau hier entsteht eine wichtige Diskussion: Braucht es für Solarparks mit landwirtschaftlicher oder ökologischer Doppelnutzung eine klarere Flächenkategorie? Eine solche Kategorie könnte helfen, die Nutzung rechtlich besser abzubilden und Konflikte zwischen Energieerzeugung und Landwirtschaft zu reduzieren.

Biodiversität als Qualitätsmerkmal von Solarparks

Neben der landwirtschaftlichen Nutzung gewinnt auch die Biodiversität in Solarparks an Bedeutung. Richtig geplant und gepflegt, können Solarparks wertvolle Lebensräume schaffen. Im Vergleich zu intensiv genutzten landwirtschaftlichen Flächen kann eine extensive Bewirtschaftung unter Solarmodulen sogar zu einer ökologischen Verbesserung führen.

Mögliche positive Effekte sind:

  • höhere Pflanzenvielfalt durch extensive Pflege
  • Lebensräume für Insekten, Wildbienen und Schmetterlinge
  • Rückzugsräume für Kleintiere und Vögel
  • geringerer Einsatz von Dünger und Pflanzenschutzmitteln
  • strukturreiche Flächen durch unterschiedliche Licht- und Schattenbereiche
  • Erhalt oder Entwicklung von Grünlandstandorten

Entscheidend ist jedoch die konkrete Umsetzung. Ein Solarpark wird nicht automatisch biodiversitätsfördernd, nur weil dort Module stehen. Es braucht ein passendes Pflege- und Entwicklungskonzept. Dazu gehören zum Beispiel spätere Mahdzeitpunkte, abschnittsweise Pflege, regionale Saatgutmischungen, Blühstreifen, ausreichend unverschattete Flächen und der Verzicht auf intensive Bewirtschaftung.

Technische Planung entscheidet über die Nutzbarkeit

Ob ein Solarpark zusätzlich landwirtschaftlich oder ökologisch genutzt werden kann, hängt stark von der technischen Planung ab. Bereits kleine planerische Unterschiede können große Auswirkungen auf die spätere Nutzung haben.

Wichtige Faktoren sind unter anderem:

  • Abstand zwischen den Modulreihen
  • Höhe der Unterkonstruktion
  • Neigungswinkel der Module
  • Breite der Wartungswege
  • Kabelführung und Schutz der elektrischen Komponenten
  • Positionierung von Wechselrichtern und Trafostationen
  • Zaunführung und Zugangstore
  • Wasserabfluss und Bodenverhältnisse
  • Pflege- und Beweidungskonzept

Wenn solche Aspekte frühzeitig berücksichtigt werden, lassen sich Solarparks deutlich besser in bestehende landwirtschaftliche Strukturen integrieren. Für Projektentwickler, Grundstückseigentümer, Landwirte und Kommunen kann dies ein wichtiger Vorteil sein.

Vorteile für Betreiber, Landwirte und Kommunen

Eine durchdachte Doppelnutzung kann für verschiedene Beteiligte Vorteile schaffen.

Für Betreiber von Solarparks kann sie helfen, Pflegekosten zu reduzieren, ökologische Anforderungen zu erfüllen und die Akzeptanz des Projekts zu verbessern. Für Landwirte können neue Nutzungsmöglichkeiten entstehen, etwa durch Beweidung, Pflegeverträge oder die Nutzung von Grünland. Für Kommunen kann ein gut geplantes Projekt zeigen, dass Energiewende und Landschaftspflege miteinander vereinbar sind.

Auch für Grundstückseigentümer kann eine multifunktionale Nutzung interessant sein. Sie ermöglicht langfristige Pachteinnahmen und erhält gleichzeitig eine gewisse Nutzbarkeit der Fläche. Gerade bei weniger ertragreichen, schwer zu bewirtschaftenden oder bereits vorbelasteten Flächen kann dies eine sinnvolle Option sein.

Akzeptanz als wichtiger Erfolgsfaktor

Die gesellschaftliche Akzeptanz ist für Freiflächen-PV-Projekte ein entscheidender Faktor. Viele Diskussionen entstehen nicht nur wegen der Technik selbst, sondern wegen der Sorge, dass landwirtschaftliche Flächen dauerhaft verloren gehen oder Landschaftsbilder beeinträchtigt werden.

Wenn Solarparks jedoch sichtbar ökologisch aufgewertet werden, wenn Schafe dort weiden, Blühflächen entstehen oder regionale Landwirte eingebunden werden, verändert sich oft die Wahrnehmung. Die Anlage wird dann nicht nur als technische Infrastruktur gesehen, sondern als Teil eines nachhaltigen Flächenkonzepts.

Transparente Kommunikation ist dabei besonders wichtig. Gemeinden, Anwohner, Landwirte und Grundstückseigentümer sollten frühzeitig verstehen, wie die Fläche genutzt wird, welche ökologischen Maßnahmen vorgesehen sind und welche Vorteile das Projekt für die Region bringen kann.

Flächeneffizienz wird immer wichtiger

Mit dem weiteren Ausbau erneuerbarer Energien wird die Frage der Flächeneffizienz an Bedeutung gewinnen. Eine reine Entweder-oder-Betrachtung – entweder Landwirtschaft oder Solarenergie – greift häufig zu kurz. In vielen Fällen kann eine Kombination sinnvoller sein.

Photovoltaik erzeugt erneuerbaren Strom, während die Fläche darunter oder dazwischen weiterhin ökologische Funktionen übernehmen kann. In bestimmten Konzepten bleibt sogar eine landwirtschaftliche Nutzung möglich. Dadurch kann die gleiche Fläche mehrere Aufgaben erfüllen: Energieproduktion, Klimaschutz, Biodiversität, Bodenruhe und extensive Bewirtschaftung.

Gerade vor dem Hintergrund steigender Anforderungen an Klimaschutz, Energieversorgung und nachhaltige Landnutzung kann diese Mehrfachnutzung ein wichtiger Baustein sein.

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