Der Bund der Energieverbraucher hat mit „Mitmachstrom“ eine neue Energy-Sharing-Community ins Leben gerufen. Das Modell soll kleinere Photovoltaikanlagen, Stromverbraucher, Vereine, Unternehmen und Kommunen digital miteinander verbinden.
Über die Community können Betreiber kleiner Photovoltaikanlagen ihren eingespeisten Solarstrom bilanziell an andere Teilnehmer verkaufen. Verbraucher wiederum können festlegen, von welchen Erzeugern sie bevorzugt Strom beziehen möchten. Der Preis für den innerhalb der Community gehandelten Solarstrom wird individuell zwischen den Beteiligten festgelegt.
Die Stromlieferung erfolgt weiterhin über das öffentliche Netz. Es handelt sich daher nicht um eine direkte physikalische Versorgung von einer bestimmten Photovoltaikanlage zu einem bestimmten Verbraucher. Über die digitale Erfassung und Zuordnung wird jedoch sichergestellt, dass innerhalb der Community nur die tatsächlich eingespeisten Strommengen eines Erzeugers berücksichtigt werden.
Ergänzende Versorgung mit Ökostrom
Reicht die innerhalb der Community erzeugte Strommenge nicht aus, wird der zusätzliche Bedarf automatisch durch zertifizierten Ökostrom gedeckt. Produziert eine Photovoltaikanlage mehr Strom, als innerhalb der Community abgenommen wird, wird der verbleibende Überschuss regulär in das öffentliche Netz eingespeist.
Nach Angaben des Betreibers sollen Anlagenbetreiber für den bereitgestellten Solarstrom mindestens eine Vergütung in Höhe der jeweiligen EEG-Einspeisevergütung erhalten. Liegt der vereinbarte Community-Preis darüber, wird die Differenz abzüglich der Plattformgebühr an den Anlagenbetreiber ausgezahlt.
Digitaler Stromzähler und Lesekopf erforderlich
Voraussetzung für die Teilnahme ist ein digitaler Stromzähler. Auf diesem wird ein digitaler Lesekopf installiert, der die Einspeise- und Verbrauchswerte im 15-Minuten-Takt an die Community-Software übermittelt.
Der Lesekopf kann den Angaben zufolge für 3,90 Euro gemietet oder einmalig für 89 Euro erworben werden. Die erfassten Messwerte bilden die Grundlage für die Zuordnung und Abrechnung der innerhalb der Community gehandelten Strommengen.
Technischer Plattformbetreiber ist das Düsseldorfer Unternehmen WeShareEnergy. Für die über die Plattform gehandelten Strommengen wird eine Gebühr von einem Cent pro Kilowattstunde berechnet. Der Bund der Energieverbraucher erklärt, selbst keine Einnahmen aus dem Angebot zu erzielen.
Energy Sharing über ein Bilanzkreismodell
Hintergrund des Projekts ist unter anderem die weitere Entwicklung des Energy Sharing nach § 42c Energiewirtschaftsgesetz. Da intelligente Messsysteme in Deutschland noch nicht flächendeckend verfügbar sind, setzt „Mitmachstrom“ auf ein Bilanzkreismodell in Verbindung mit digitalen Zählern und zusätzlichen Leseköpfen.
Das Angebot soll außerdem eine Möglichkeit zur Direktvermarktung von Solarstrom schaffen. Ob sich die Teilnahme wirtschaftlich lohnt, hängt jedoch von den individuell vereinbarten Strompreisen, den jeweiligen EEG-Vergütungssätzen sowie den weiteren Vertrags-, Netz- und Abrechnungskosten ab.
