Die europäischen Energiepreise sind im Juli deutlich gestiegen. Neben geopolitischen Unsicherheiten wirkten sich vor allem geringere LNG-Lieferungen, anhaltend hohe Temperaturen und niedrige Wasserstände auf die Strom- und Gasmärkte aus. In vielen europäischen Ländern lagen die Spotmarktpreise für Strom zeitweise bei rund 100 Euro pro Megawattstunde oder darüber.
Weniger LNG und höhere Gaspreise
Die LNG-Lieferungen nach Europa gingen im Juli gegenüber dem Vormonat um rund 35 Prozent zurück und erreichten damit einen mehrjährigen Tiefstand. Gleichzeitig führten Unsicherheiten rund um die Schifffahrtswege im Nahen Osten zu zusätzlichen Risikoprämien an den Energie- und Rohstoffmärkten.
Der europäische Erdgaspreis am Handelsplatz TTF stieg innerhalb von zehn Handelstagen um mehr als 30 Prozent und erreichte zeitweise rund 65 Euro pro Megawattstunde.
Auch die Befüllung der europäischen Gasspeicher verläuft langsamer als in den Vorjahren. Zuletzt waren die Speicher in der Europäischen Union zu etwa 57 Prozent gefüllt. Marktbeobachter gehen davon aus, dass selbst bei einer Verbesserung der LNG-Lieferungen ab Mitte September eine Speicherfüllung von deutlich über 70 Prozent bis November nur schwer erreichbar sein dürfte.
Die weitere Entwicklung hängt insbesondere von folgenden Faktoren ab:
- der Sicherheit wichtiger internationaler Schifffahrtswege,
- der LNG-Nachfrage in Asien,
- dem Preisunterschied zwischen dem europäischen und asiatischen Markt,
- der Verfügbarkeit flexibler LNG-Lieferungen aus den USA,
- der Entwicklung des europäischen Gasverbrauchs.
Hitze und Trockenheit begrenzen die Stromerzeugung
Neben den höheren Brennstoffkosten beeinflussten auch die außergewöhnlich heißen und trockenen Wetterbedingungen den europäischen Strommarkt.
Die Wasserführung in den Alpen blieb niedrig, während die zuvor hohe Wasserkraftproduktion auf der Iberischen Halbinsel deutlich zurückging. Gleichzeitig erschwerten niedrige Flusspegel die Kühlung einiger Kernkraftwerke. Besonders in Ungarn und Rumänien kam es bereits zu Einschränkungen.
Auch der Transport von Kohle über den Rhein wurde durch die niedrigen Wasserstände beeinträchtigt. Für flussaufwärts gelegene Kraftwerke erhöhen sich dadurch die Transportkosten.
Zusätzlich blieb die Windstromerzeugung unter anderem auf der Iberischen Halbinsel, in Großbritannien, den Niederlanden und Frankreich vergleichsweise schwach. Der steigende Strombedarf für Klimatisierung und Kühlung musste deshalb verstärkt durch konventionelle Kraftwerke gedeckt werden.
Strompreise bleiben in vielen Ländern hoch
In den meisten europäischen Strommärkten stiegen die Spotpreise oder verharrten auf einem hohen Niveau von rund 100 Euro pro Megawattstunde und mehr.
Eine Ausnahme bildete der nordische Markt. Dort sank der durchschnittliche Strompreis auf etwa 51 Euro pro Megawattstunde. Gründe dafür waren normalere Wetterbedingungen und eine verbesserte Verfügbarkeit der Kernkraftwerke.
Auch die Kohlepreise legten zu. Die Terminpreise für die Lieferung im vierten Quartal 2026 stiegen im Monatsverlauf um rund 13 US-Dollar je Tonne. Die Preise für europäische CO₂-Zertifikate erhöhten sich dagegen nur leicht und dürften kurzfristig in einer vergleichsweise engen Bandbreite bleiben.
Größere Preisunterschiede im Tagesverlauf
Die aktuelle Marktsituation verstärkt die Schwankungen der Strompreise innerhalb eines Tages. Während der Mittagsstunden sorgt die hohe Photovoltaik-Einspeisung häufig für niedrige oder teilweise negative Preise. In den Abendstunden steigt der Strompreis dagegen deutlich an, wenn die Solarstromproduktion zurückgeht und der Verbrauch weiterhin hoch bleibt.
Mit der saisonal sinkenden Solarstromerzeugung könnten sich diese abendlichen Hochpreisphasen in den kommenden Wochen verlängern.
Diese Entwicklung erhöht die Bedeutung flexibler Stromverbraucher und Energiespeicher. Batteriespeicher können Energie in Stunden mit hoher Erzeugung und niedrigen Preisen aufnehmen und zu Zeiten höherer Nachfrage wieder abgeben. Dadurch lassen sich erneuerbare Energien besser in das Stromsystem integrieren und Preisschwankungen teilweise ausgleichen.
Kurzfristig keine deutliche Entspannung erwartet
Die heißen und trockenen Bedingungen dürften in Teilen Kontinentaleuropas zunächst anhalten. Gleichzeitig bleiben die LNG-Versorgung und die Befüllung der Gasspeicher wichtige Unsicherheitsfaktoren.
Kurzfristig ist deshalb weiterhin mit vergleichsweise hohen und stark schwankenden Strompreisen zu rechnen. Für die Entwicklung in den kommenden Monaten werden insbesondere die Wetterlage, die Verfügbarkeit konventioneller Kraftwerke, die LNG-Importe und der Füllstand der europäischen Gasspeicher entscheidend sein.
